Toot! – Ist Mastodon das bessere Twitter?

In letzter Zeit macht es mir immer weniger Spaß auf Twitter aktiv zu sein. Nicht nur der Umgangston unter den Usern wird immer unangenehmer, auch die Methoden, wie Twitter dem entgegen wirkt stören mich erheblich. Spätestens seit der EU-Wahl ist der Dienst weder für ernsthafte politische Diskussionen noch für spaßige Kommentare mehr wirklich brauchbar.

Das Ziel von Twitter ist die Verbesserung der Gesprächskultur. Auf dem Weg, dies zu erreichen, machen wir manchmal Fehler bei der Durchsetzung unserer Regeln.

Twitter Deutschland, 13.5.2019 [1]

Welche Gesprächskultur ich pflegen soll und was ich zu äußern habe, soll bitte nur mich und diejenigen etwas angehen, die ich in mein Gespräch einbeziehe. Es käme mir also sehr zugute, wenn Twitter es unterließe, unreflektiert alles zu löschen, was ihnen vor die Flinte kommt oder von irgendwem gemeldet wurde. Ich verstehe vollkommen die Angst vor eventuellen Folgen des NetzDG, für viele gelöschte Tweets habe ich jedoch nur sehr wenig Verständnis. Vor Allem, da erstmal kommentarlos gelöscht und noch dazu der Useraccount gesperrt wird und somit der Nutzer nicht die Möglichkeit hat sich zu seinem Tweet zu äußern. Noch dazu soll mir jemand erklären, inwiefern der Tweet von Staatssekretärin Sawsan Chebli (SPD), dass sie sich darum kümmern würden, dass der Name Mohammed nie verschwinden würde [2], gegen die Gemeinschaftsstandards von Twitter verstößt. Das und mehr vergrault mich einfach immer mehr.

In der Chaosradioepisode vom August 2018 [3], mit dem Thema “Decentralize the web”, wurde von einem Microbloggingdienst mit dem Namen Mastodon berichtet. Ich habe mir das vor einigen Monaten schon einmal angesehen und mir vorgenommen mich damit einmal genauer zu beschäftigen. Gestern hat mich dann die Wanderslust gepackt und ich habe mich auf das Abenteuer eingelassen.

Was schon einmal positiv auffällt ist, dass es sich um einen erneuten Ansatz handelt ein dezentrales Netzwerk aufzubauen. Jeder kann eine Instanz hosten und darauf Profile anlegen. Die Instanzen sind untereinander verknüpft. So hat zum Beispiel die Chaos-Community um den Chaos Computer Club die Instanz chaos.sozial für sich gehostet. Sie haben aber wohl aus ihrem Fehler gelernt, jeden auf ihren Jabber-Server einzuladen und die Tore rechtzeitig dicht gemacht um den dezentralen Gedanken zu wahren. Das ist aber nicht so wild. Wenn du die Seite joinmastodon.org aufrufst, findest du neben einer Liste mit Servern auf denen du dich anmelden kannst auch eine Anleitung wie du deine eigne Instanz aufsetzt und auch Links zu Hostern, die die Instanz auf ihren Maschinen für dich aufzsetzen.

Die Weboberfläche von Mastodon

Ich habe mich für den Server toot.site entschieden und bereue es kein Bisschen. Es handelt sich dabei um eine sehr angenehme Community. Damit kommen wir zu einer weiteren Besonderheit, die Mastodon im Gegensatz zu anderen Plattformen bietet. Dadurch, dass die Plattform dezentral ist kommunizierst du einmal öffentlich zwischen den Servern in einem Netzwerk. Dann stellt jede Instanz für sich noch eine eigene kleine Community dar. Das macht den Dienst aus mener Sicht auch für Unternehmen, Vereine und andere Organisationen interessant.

Du fragst dich jetzt vielleicht, wie dich Mastodon vor Trollen und anderen Störenfrieden schützt. Ganz einfach. Du hast problemlos die Möglichkeit Personen zu blocken. Das hattest du auch schon bei Twitter? Das stimmt. Bei Mastodon kannst du aber auch ganze Instanzen blocken. Sollte dir also auffallen, dass von einer Instanz ein ganzer Haufen Störaktionen läuft, kannst du einfach mit dem jeweiligen Administrator Kontakt aufnehmen. Sollte dieses Verhalten auf der Instanz geduldet bzw. sogar gewünscht sein, kannst du den ganzen Server getrost in die Tonne treten und das ganze über ein “Toot” (das Mastodonequivalent zu einem “Tweet”) die anderen Instanzen darüber informieren. So schützt sich der Organismus selbst vor Störenfrieden.

Die kurze Zeit auf Mastodon hat mir bereits sehr gefallen und ich kann allen nur raten: Macht mit! So ein Netzwerk steht und fällt mit der Anzahl seiner Mitglieder. Wenn du dich dazu entschieden hast zu joinen, kannst du mich auch gleich unter meinem Account toot.site/@xtristrix besuchen.


Quellen:
[1] https://twitter.com/TwitterDE/status/1127941688377389061
[2] https://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/sawsan-chebli-twitter-account-nach-mohammed-tweet-zwischenzeitlich-gesperrt-a-1265837.html
[3] https://chaosradio.de/cr249-decentralizetheweb

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